Mit einer überwältigenden Mehrheit von 84 zu 27 Stimmen bei 2 Enthaltungen wurde in Dänemarks Parlament gestern beschlossen, das Verbot kirchlicher Trauungen für gleichgeschlechtliche Paare aufzuheben. Gleichzeitig wurde das Ehegesetz geschlechtsneutral formuliert. Die ersten Trauungen könnten bereits am 15. Juni stattfinden, wenn die Bischöfe und Bischöfinnen rechtzeitig die entsprechenden Zeremonien zusammenstellen, womit aber gerechnet wird.
Geistliche können die Trauung eines gleichgeschlechtlichen Paares aus
Gewissensgründen ablehnen, dann muss sich das Paar eben einen anderen
Pfarrer oder eine andere Pfarrerin suchen [1] oder im Rathaus heiraten. Priesterliche Segnungen für Frauen- und Männerpaare gibt es in Dänemark bereits seit 1997.
Dänemark war 1989 das erste Land der Welt, das für lesbische und schwule Paare eingetragene Partnerschaften eingeführt hat. Die rund 4.100 in eingetragenen Partnerschaften lebenden Paare erhalten durch die Gesetzesänderung automatisch den Familienstand "verheiratet".
Für die sozialdemokratische Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt ist der gestrige Gesetzesbeschluss die Einlösung eines Wahlversprechens, das sie voriges Jahr gegeben hat. Sie selbst freute sich nach der Parlamentsentscheidung bereits riesig: "Heute erlauben wir homosexuellen Paaren die Ehe zu den gleichen Bedingungen, wie sie jeder andere hat. Das ist etwas, wofür wir Sozialdemokraten lange gekämpft haben," verkündete sie auf ihrem Facebook-Account.
Dänemark ist das 8. europäische Land, in dem schwule und lesbische Paare unter den gleichen Bedingungen wie heterosexuelle Paare eine Ehe eingehen können. Bisher war dies schon in den Niederlanden, Belgien, Spanien, Schweden, Norwegen, Island und Portugal der Fall. In Dänemark war die Öffnung der Ehe lange Zeit daran gescheitert, dass es zu viele unterschiedliche Vorschläge, vor allem hinsichtlich der Ermöglichung kirchlicher Trauungen, gegeben hatte.
[1] Anmerkung: Dieser Punkt wird in den Medien unterschiedlich dargestellt. In der Copenhagen Post steht, dass die Paare sich einen anderen Geistlichen suchen müssen, im britischen Telegraph steht, dass der jeweilige Bischof dem Paar einen Geistlichen nennen muss.
Links: http://cphpost.dk/news/national/gay-marriage-legalised
http://www.telegraph.co.uk/news/worldnews/europe/denmark/9317447/Gay-Danish-couples-win-right-to-marry-in-church.html
http://www.bbc.co.uk/news/world-europe-18363157
http://www.queer.de/detail.php?article_id=16669
http://www.globalpost.com/dispatch/news/regions/europe/120607/denmark-gay-church-weddings-approved
http://www.foxnews.com/world/2012/06/07/denmark-approves-gay-weddings-in-church/
http://www.international.to/index.php?option=com_content&view=article&id=6108:danish-vote-to-force-church-to-marry-homosexuals-shows-our-politicians-naive-to-accept-activists-assurances&catid=80:politics&Itemid=120
http://marriage.about.com/od/international/p/denmark.htm