Saturday, 19. May 2012
Schwule und Lesben in St. Petersburg von Hooligans attackiert
Die Demonstration war trotz des seit einigen Monaten geltenden Verbots der "Werbung für Homosexualität" genehmigt worden und wurde von der Polizei beschützt. Aber schon nach wenigen Minuten versammelte sich gegenüber eine größere Menge von homophoben Demonstrant_innen, die orthodoxe Kreuze, Baseball-Schläger, Leibchen und Kappen diverser Fußballclubs und Nazi-Symbole mit sich führten und Drohungen und Beleidigungen gegen die friedliche LGBT-Demonstration aussstießen. Nachdem es einem der Angreifer gelungen war, die Polizeisperre zu durchbrechen und einen der LGBT-Aktivisten mit Pfefferspray zu attackieren, bliesen die Organisator_innen die Veranstaltung ab und wurden von der Polizei noch bis zur nächsten U-Bahn Station gebracht.
Die Angreifer ließen ihre Aggressionen daraufhin an einem zufällig daher kommenden Bus aus, in dem Gastarbeiter saßen. Sie zerbrachen die Fensterscheiben, kletterten hinein und verprügelten die Insassen. Passant_innen berichteten, dass sie auch Schüsse gehört hätten. Kurz darauf verschwanden die Angreifer. Ein LGBT-Aktivst wurde auf dem Weg zur U-Bahn angegriffen, weil er "Gegenstände mit Regenbogensymbolik" bei sich trug, wie GGG.at berichtet. Die Angreifer flüchteten, als die Polizeibeamten näher kamen. Zumindest zwei Aktivist_innen mussten mit Verletzungen ins Spital gebracht werden, über weitere Verletzte und die Höhe des Sachschadens liegen derzeit noch keine Meldungen vor. Bei den Fotoreportagen fällt auf, dass die homophoben Gegendemonstrant_innen größtenteils sehr jung sind und dass sie offenbar keine Angst davor haben, erkannt zu werden. Viele trugen weder eine Maske, noch drehten sie das Gesicht weg, wenn sie fotografiert wurden.
Ein Reporter von piter.tv kritisiert die Untätigkeit der Polizei. Sie habe zwar einen Kordon zwischen dem genehmigten LGBT-Flashmob und den rabiaten Gegendemonstranten gebildet und kurz auf einen der Gegendemonstranten eingeredet, aber nichts unternommen, um die Angriffe auf die LGBT-Aktivist_innen und danach auf die zwei Busse mit den unbeteiligten Arbietern zu unterbinden. Ein Beobachter kommentierte, die Polizei hätte ruhig in einer Nebenstraße abgewartet, bis die von der Regierung geduldeten Schergen ihre Arbeit getan hatten. Auf die Frage eines Reporters, warum nicht eingegriffen wurde, sagte ein Polizist: "Die Antwort erhalten sie vom Pressedienst der Abteilung für Inneres." Der Direktor für öffentliche Sicherheit in St. Petersburg, Konstantin Wlassow, soll inzwischen eine Untersuchung angeordnet haben.
Links: http://www.rt.com/news/clashes-lgbt-nationalists-petersburg-532/ (Bericht mit mehreren Fotos)
http://www.youtube.com/watch?v=f9QEZaEoKXg&feature=player_embedded Das Video-Clip von IBTimes-TV zeigt nur den friedlichen Beginn der Demonstration.
http://www.demotix.com/photo/1220065/rainbow-flashmob-russia-countered-anti-gay-rights-radicals (Fotos)
http://www.baltinfo.ru/2012/05/17/Gei-parad-v-Peterburge-zakonchilsya-strelboi-i-izbieniem-migrantov-279181 (Text auf Russisch, zahlreiche Fotos)
http://www.ggg.at/index.php?id=320&tx_ttnews[tt_news]=4420&cHash=a2597ef47013f0eac8c19f25cc59d3f8
http://en.gazeta.ru/news/2012/05/18/a_4592477.shtml
http://chtodelat.wordpress.com/2012/05/18/what-a-pogrom-looks-like-anti-gay-protesters-attack-migrant-workers-in-petersburg/ (mehr Fotos und ein Video von den Angriffen auf die Demonstrant_innen und auf die Gastarbeiterbusse)
http://sergey-chernov.livejournal.com/736261.html (noch mehr Fotos)
http://www.facebook.com/media/set/?set=a.354330007955269.80873.117369638317975&type=1
http://piter.tv/event/Peterburgskie_gej_aktivi/ So freundlich und friedlich war der Flashmob geplant.
http://www.youtube.com/watch?v=CdLJluJYJZY so ging es nachher zu
http://piter.tv/event/Policiya_pozvolila_pogrom/ ein kritischer Bericht bei piter.tv

