Der Bischofsrat der Erzdiözese Wien bestätigte am Freitagnachmittag die Wahlen zum Pfarrgemeinderat der Gemeinde Stützenhofen im Weinviertel von Mitte des Monats und beendete damit den Streit darüber, ob ein in eingetragener Partnerschaft lebender Mann das Amt ausüben darf. Er darf. In der offiziellen Presseaussendung erklärt der Wiener Erzbischof, Kardinal Christoph Schönborn, dass es viele Pfarrgemeinderäte gebe, "deren Lebensentwürfe nicht in allem den Idealen der Kirche entsprechen". Allerdings freue sich die Kirche über deren Engagement, wenn "ihr jeweiliges Lebenszeugnis in seiner Gesamtheit und auf ihr Bemühen um ein Leben aus dem Glauben" stimme.
Der Bischofrat gab gleichzeitig den Auftrag, in der Pfarrgemeinderatsordnung die Voraussetzungen für die Wahl präziser zu fassen. Florian Stangl, der seit seiner Jugend in der Kirche und Sozialarbeit engagiert ist und im Kirchenchor singt, wurde zunächst ohne sein Wissen von den Gemeindemitgliedern für den Pfarrgemeinderat aufgestellt. Erst kurz vor der Wahl kamen dem örtlichen Pfarrer Bedenken, da in der Pfarrgemeinderatsordnung gefordert ist, dass die Kandidat_innen sich "zur Glaubenslehre und Ordnung der Kirche" bekennen. Da die römisch-katholische Kirche gelebte Homosexualität als "Unordnung" ansieht und Stangl mit seinem um sieben Jahre älteren Partner in eingetragener Partnerschaft lebt, sie die erforderliche Übereinstimmung mit der kirchlichen Ordnung nicht gegeben. Er forderte Stangl am Abend vor der Wahl auf, von der Kandidatur zurückzutreten - da waren die Stimmzettel aber bereits ausgeschickt und er wurde mit über 80 Prozent der abgegebenen Stimmen bei hoher Wahlbeteiligung gewählt.
Stangl war gewillt, sein Amt auch gegen den Widerstand es Pfarrers anzutreten, soferne es keine unüberwindbaren kirchenrechtlichen Hindernisse gebe. In der Folge wurde über eine Aufhebung der Wahl wegen Formfehlern diskutiert. Diese stellen aber das Wahlergebnis an sich nicht in Frage, wie Kardinal Schönborn in der Presseaussendung von Freitag betonte. Nach einem persönlichen Gespräch mit Stangl verstehe er, warum die Stützenhofener_innen "so eindeutig für seine Präsenz im Pfarrgemeinderat votiert haben". Quelle: kathweb vom 30. März 2012
Links: http://www.kathweb.at/site/nachrichten/database/45944.html (30.03.2012)
http://diestandard.at/1332324277591/Kopf-des-Tages-Schwuler-Pfarrgemeinderat-mit-Sanktus (31.03.2012)
http://noe.orf.at/news/stories/2527134/ (31.03.2012)
http://www.ggg.at/index.php?id=323&tx_ttnews[tt_news]=4302&cHash=bed552af58bb9ba809889aac1935a0ee
http://derstandard.at/1332324257517/Katholische-Kehrtwende-Schoenborn-bestaetigt-homosexuellen-Pfarrgemeinderat (30.03.2012)
http://diepresse.com/home/panorama/religion/744791/Pfarrgemeinderat_Kein-Verbot-fuer-Homosexuellen (29.03.2012)
http://diepresse.com/home/panorama/religion/743105/Schwuler-Pfarrgemeinderat_Kein-Aus (23.03.2012)
http://diestandard.at/1332323378318/Weinviertel-Homosexueller-darf-nicht-Pfarrgemeinderat-werden (21.03.2012)
Nachtrag zu den Links: http://diepresse.com/home/meinung/kommentare/745454/Und-sie-bewegt-sich-doch