Durch die Diskussionen um den Straßenstrich und die Novellierung des Wiener Prostitutionsgesetzes, das am 1. November in Kraft tritt, ist das Thema Sexarbeit in letzter Zeit vermehrt in den Fokus getreten. Die Straßenprostitution macht nur einen kleinen Teil der Sexarbeit aus, allerdings den sichtbarsten. Prostitution diente immer schon als Projektionsfläche und ermöglicht durch ihre Existenz Abgrenzung und Konstruktion der bürgerlichen Identität. Wolfgang Maderthaner und Lutz Musner schreiben in ihrem Buch "Anarchie der Vorstadt": „So verkörpert die Vorstadt in der Gestalt der Dirne das ,Andere` der männlich bürgerlichen Sexualmoral.“ Auch heute sprechen Sexarbeiterinnen, Kunden und Sozialarbeiterinnen immer wieder von der "anderen Welt".
Es gibt in Wien kein dezidiertes Rotlichtviertel. "Sex für Geld" passiert in kleinen Konzentrationen und eher versteckt als auffällig. Die Soziologin Martina Löw entdeckte in Wien viele verstreute Orte des Anderen, die gemeinsam einen eigenen Raum bilden, die aufeinander verweisen und sich ergänzen. Insgesamt stehen in Wien ca. 100 bis 200 Frauen auf der Straße. 2200 sind offiziell als Prostituierte registriert. (Schätzungen der Zahl der Nicht-Registrierten variieren je nach Quelle von 2000-5000.) 70-90% der Sexarbeiterinnen sind Migrantinnen. Schätzungsweise kaufen um die 15.000 Männer pro Tag sexuelle Dienstleistungen.

